Hör auf, mir den Daumen nach oben zu zeigen! Die 10 Handzeichen, die dein Leben retten
Du denkst, beim Tauchen geht es darum, Fische anzuschauen? Falsch. Es geht darum, mich anzuschauen. Wenn du den Unterschied zwischen 'Aufsteigen' und 'Alles Okay' nicht kennst, wirst du in meinem Ozean eine schlechte Zeit haben.

Hay naku. Gestern hatte ich einen Schüler. Ein netter Junge aus Manila. Er hatte die teuren Flossen, die GoPro am Stick, den glänzenden neuen Computer, der wahrscheinlich mehr kostet als mein Haus. Wir sind auf 20 Metern in der Verde Island Passage, die Strömung nimmt zu. Ich gebe ihm das Zeichen für „Problem? Luft prüfen.“
Weißt du, was er gemacht hat? Er hat mir das Shaka-Zeichen gegeben. Dieses Surfer-Ding, „Hang Loose“.
Ich hätte fast meinen Lungenautomaten verschluckt.
Hör auf Tatay Santiago. Dem Ozean ist dein Instagram egal. Der Ozean ist laut vor Schweigen. Du kannst nicht „Hilf mir“ schreien, wenn du den Regler im Mund hast. Du hast zwei Hände. Du musst sie benutzen, um zu sprechen. Wenn du meine Sprache nicht sprichst, bist du eine Belastung. Dann wirst du gefährlich.
Heute gehen wir zurück zu den Grundlagen. Keine schicke Elektronik. Nur die Hände. Wenn du diese beherrscht, muss ich dich vielleicht nicht am Flaschenventil zurück zum Boot schleifen.
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Die „Sterbe ich gerade?“-Signale
Diese hier musst du im Schlaf beherrschen. Wenn du die falsch verstehst, haben wir ein großes Problem.
1. Das „Problem“-Signal
Wie man es macht: Strecke die Hand flach aus, Handfläche nach unten. Kippe sie von Seite zu Seite. Als würdest du „geht so“ oder „vielleicht“ sagen. Danach MUSST du auf die Quelle des Problems zeigen.
Problem + Zeigen auf das Ohr = „Ich schaffe keinen Druckausgleich (Equalization).“ Problem + Zeigen auf die Brust = „Ich bin außer Atem / Zu wenig Luft.“ Problem + Zeigen auf den Kopf = „Ich bin verwirrt / Tiefenrausch (Narcosis).“ (Oder „Ich bin dumm“, das benutze ich bei meinen Neffen).
Warum es wichtig ist: Wenn du einfach panisch wirst und zur Oberfläche schießt, riskierst du eine Lungenüberdehnung oder die Dekompressionskrankheit (The Bends). Sagst du mir „Problem“, komme ich zu dir. Wir lösen es zusammen. Warte nicht, bis aus dem Problem eine Katastrophe wird.
2. Wie viel Luft? (Druck)
Wie man es macht: Ich zeige auf dein Finimeter oder tippe mit zwei Fingern auf meine Handfläche. Du musst mir antworten. Wenn dich die Finger verwirren, zeig mir dein Finimeter. Rate nicht.
Die Signale (Metrisch/Philippinen):
- 100 Bar: Ich bilde mit beiden Händen ein „T“. (Time out).
- 50 Bar: Ich halte eine geballte Faust gegen meine Brust. Das heißt „Wenig Luft“. Wir gehen jetzt flacher.
- 10er-Schritte: Jeder Finger steht für 10 Bar. 3 Finger bedeuten 30 Bar.
Der Kehlkopf-Schnitt (Keine Luft): Wenn du komplett leer bist, führst du die Handkante quer vor dem Hals entlang. Mach mit diesem Zeichen keine Witze. Wenn du das tust, ramme ich dir sofort meinen Octopus (alternative Luftversorgung) in den Mund.
Santiagos Regel: Lüge nicht. Ich weiß, ihr großen, starken Männer gebt ungern zu, dass ihr atmet wie ein Staubsauger. Wenn du 60 Bar hast, sag mir 60 Bar. Wenn du mir 100 sagst und fünf Minuten später trocken läufst, sus, dann tauchst du nie wieder mit mir.
3. „Mir ist kalt“
Wie man es macht: Verschränke die Arme vor der Brust und reibe mit den Händen über deine Oberarme. Als würdest du dich selbst umarmen, weil du frierst.
Warum es wichtig ist: Unterkühlung (Hypothermia) ist tückisch. Du hörst auf, klar zu denken. Du wirst müde. Auf den Philippinen ist das Wasser warm (26-29°C), aber nach 45 Minuten wird selbst mir kühl. Wenn dir kalt ist, sag es mir. Wir beenden den Tauchgang flach oder gehen hoch. Den Macho spielen und erfrieren bringt niemandem was.
Die Bewegungs-Signale
Du folgst mir. Ich folge nicht dir. Ich weiß, wo die Strömung langgeht. Du weißt nur, wo die hübsche Schildkröte hinschwimmt.
4. Schau hierher / Schau mich an
Wie man es macht: Schau mich an: Ich zeige mit zwei Fingern (Zeige- und Mittelfinger) auf meine eigenen Augen und dann auf meine Brust. Das bedeutet: „Hör auf, den Clownfisch anzuglotzen, und achte auf Santiago.“ Schau dorthin: Ich zeige auf meine Augen und dann auf das Objekt. Ein Hai. Eine Nacktschnecke (Nudibranch). Eine Schiffsschraube, gegen die du gleich mit dem Kopf knallst.
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5. Stopp / Halten
Wie man es macht: Ich halte die Hand flach nach oben, die Handfläche zu dir gerichtet. Wie ein Verkehrspolizist.
Warum es wichtig ist: Wenn ich das mache, erstarrst du. Du paddelst nicht. Du fummelst nicht an deiner Kamera herum. Meistens bedeutet es, dass ich etwas Gefährliches sehe, die Gruppe zählen muss oder die Strömung umschlägt. Wenn ich Stopp sage und du weiterschwimmst, treibst du ins Blauwasser ab. Viel Glück dabei, von dort zurück nach Batangas zu schwimmen.
6. Aufsteigen / Absteigen
Wie man es macht: Hoch: Daumen HOCH. Runter: Daumen RUNTER.
Der größte Fehler: An Land bedeutet Daumen hoch „Gut“, „Okay“, „Ich stimme zu“. Unter Wasser bedeutet Daumen hoch „TAUCHGANG BEENDEN / ZUR OBERFLÄCHE“. Wenn ich frage „Alles Okay?“ und du gibst mir einen Daumen hoch, packe ich deine Tarierweste (BCD) und schleife dich nach oben, weil du mir gerade gesagt hast, dass du den Tauchgang abbrechen willst. Das OK-Signal: Bilde einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger. Die anderen drei Finger stehen nach oben. Das ist „Mir geht’s gut“. Daumen hoch heißt „Hol mich hier raus“.
7. Sicherheitsstopp
Wie man es macht: Das ist speziell. Ich halte eine Hand flach über die offene Handfläche der anderen (T-Form) oder halte deutlich drei Finger hoch. Bedeutung: Wir bleiben für 3 Minuten auf 5 Metern Tiefe, um den Stickstoff abzuatmen.
Santiagos Regel: Das ist nicht optional. Du lässt das nicht aus, nur weil dir langweilig ist. Du hängst da ab. Du übst deine neutrale Tarierung (Neutral Buoyancy). Du schaust dir die kleinen Quallen an. Wenn du wie ein Korken nach oben schießt, fange ich dich ab.
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Fortgeschrittene Kommunikation: Die Krachmacher
Manchmal reichen Hände nicht aus. Manchmal ist die Sicht schlecht oder du schaust in die falsche Richtung.
Die Schreibtafel (Slate)
Das ist eine Kunststofftafel mit einem befestigten Bleistift. Wann man sie benutzt: Wenn die Geschichte kompliziert ist. „Ich habe tief unter uns einen Fuchshai gesehen“ lässt sich schwer mit Gesten erklären. Oder „Mein Ohr tut nur weh, wenn ich runtergehe, nicht beim Aufsteigen.“ Santiagos Meinung: Fass dich kurz. Schreib keinen Roman. Ich kann deine Sauklaue auf 30 Metern bei Gegenströmung nicht lesen. Schreib groß. KEINE POESIE.
Der Flaschenklopfer / Shaker / Rassel
Das ist ein Metallstab, mit dem man gegen die Flasche schlägt, oder ein Rohr mit Metallkugeln drin, das man schüttelt. Klank klank klank.
Wann man es benutzt:
- NOTFALL. Du hast keine Luft mehr. Du hast dich in einem Netz verfangen.
- RIESIGES Lebewesen. Ein Walhai. Ein Manta.
Wann man es NICHT benutzt: Hau nicht gegen deine Flasche, nur weil du eine gewöhnliche Seegurke gesehen hast. Benutze den Klopfer nicht, um meine Aufmerksamkeit für ein Selfie zu bekommen. Ich trage einen Shaker. Wenn du Klank-Klank hörst, schaust du mich sofort an. Das ist das Geräusch von Autorität. Wenn jeder einen Shaker hat und alle rasseln wie eine Mariachi-Band, weiß niemand mehr, was los ist.
Zusammenfassung der Hilfsmittel
Hier ist eine einfache Übersicht, damit du es dir merkst.
| Hilfsmittel | Geschwindigkeit | Detailgrad | Santiagos Bewertung |
|---|---|---|---|
| Handzeichen | Sehr schnell | Niedrig | 10/10 (Essenziell. Lern sie.) |
| Flaschenklopfer | Sofort | Keiner (Nur „Schau!“) | 6/10 (Nervig bei Missbrauch. Sparsam nutzen.) |
| Schreibtafel | Langsam | Hoch | 8/10 (Gut für komplexe Probleme, schlecht zum Plaudern.) |
| Schreien | Nutzlos | Null | 0/10 (Du schluckst nur Wasser. Lass es.) |
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Hör auf deinen Tatay
Tauchen ist still. Das ist das Schöne daran. Wir lassen den Lärm der Tricycles und der Karaoke-Bars oben an der Oberfläche. Hier unten respektieren wir die Ruhe.
Aber Stille bedeutet nicht, dass wir alleine sind. Wir sind ein Team. Das Buddy-System ist ein heiliger Pakt. „Ich passe auf dich auf, du passt auf mich auf.“ Diese Signale sind der Vertrag.
Wenn ich dich frage: „Wie viel Luft?“, starr nicht zehn Sekunden auf deinen Computer und zucke dann mit den Schultern. Kenne deine Ausrüstung. Kenne deine Zeichen. Und bitte, um der Liebe zum Ozean willen: Hör auf, mir den Daumen nach oben zu zeigen, außer du willst zurück aufs Boot und die Flaschen schleppen.
Jetzt geh und prüf deine O-Ringe. Wir tauchen in einer Stunde.